|
Die
Flandernrundfahrt zählt zu den härtesten
klassischen Eintagesrennen der Welt. Am Tag vor
diesem Klassiker besteht für Cyclotouristen die
Möglichkeit die gesamte Profistrecke im Rahmen einer
RTF zu fahren. Nach dem langen Wintertraining, das
zum größten Teil auf der Straße möglich war, habe
ich mich zu diesem Abenteuer entschlossen. |
|
Am Abend erst angereist ist die Nacht nur kurz. Um
5.00 Uhr morgens stehen wir auf um vom Zielort zum
Start nach Brügge zu fahren. Gegen 7.30 Uhr kann
ich, nach unendlich langem Stehen in einer Schlange
von Radfahrern, von der Startrampe losfahren. |
|
Gleich zu Beginn haben wir mit sehr starkem Regen zu
kämpfen. Der heftige Seitenwind lässt die Gruppen
förmlich auseinander fallen. Das Fahren an der
Windkante ist sehr anstrengend und nervenaufreibend.
Ein Unfall vor mir zwingt mich bei hohem Tempo von
der Straße ins Feld. Zum Glück kein Materialschaden!
Andere haben da weniger Glück. |
|
Bei der ersten Kontrolle nach 46km hört der Regen
endlich auf und die nassen Klamotten beginnen auf
der Haut zu trocknen. Das harte Wintertraining macht
sich jetzt bezahlt. Was ist schon Regen, wenn man
Schnee und Hagel gewohnt ist! |
|
Die zweite Kontrolle nach 105km erreiche ich nach
4:10h und bin erstaunlich fit. Wer bis hierhin schon
müde ist hat nur noch sehr geringe Aussichten das Ziel zu
erreichen. Die Flandernrundfahrt beginnt erst nach
110km mit den ersten Kopfsteinpflasterpassagen. |
|
Nach 130km folgt die Paddestraat, ein ätzendes
Pflastersteinstück. Spätestens hier merke ich, dass
meine Weichteile nicht für diese Art von Steinen
gemacht sind. Irgendwann zermürben dich diese
Pflastersteine und wenn die Weichteile nicht
schmerzen, dann garantiert die Handgelenke. Immer
wieder sehe ich Trinkflaschen auf dem Pflaster
liegen und kann das erst nicht einordnen. Als ich
dann nach meiner Trinkflasche greife merke ich, dass
auch meine Trinkflasche verschwunden ist. Einfach
rausgerüttelt! |
|
Nun folgen die ersten Steigungen. Nach 145km der
Molenberg und nach 155km der Wolvenberg. Oben
angelangt bin ich ziemlich fertig. Als ich einen
Belgier frage wie der Berg hier heißt, den wir
gerade hochgefahren sind, merke ich, dass der völlig
die Orientierung verloren hat. Er spricht ständig
vom Berg Nummer 5. (Das Kopfsteinpflaster zeigt wohl
erste Auswirkungen). |
|
Km 170: Es folgt eine Serie von 13 Steigungen bis zu
22%. Die meisten dieser Steigungen sind gepflastert
und stellenweise nass. Am Koppenberg stürzen zwei
Radfahrer vor mir im steilsten Stück und bleiben
liegen. Ich muss absteigen und schieben. Das
passiert mir später nicht mehr. |
|
Nach 208km ereilt mich, was ich vorher schon
befürchtet habe. Am Foreest, eigentlich einem sehr
schönen Berg, bekomme ich massive Krämpfe. Ich muss
aus dem Sattel und merke, dass es so besser
weitergeht. Von nun an nehme ich jeden der Berge im
Wiegetritt bis ich mich besser fühle. Ohne das
Spinning-Training im Winter wäre das undenkbar
gewesen. Man wechselt die Technik wenn die Beine im
Sitzen krampfen. Allerdings brauche ich diesmal
einen 27er Zahnkranz an diesen Steigungen und es
sagt niemand: „Wir erhöhen den Widerstand. Es folgt
ein Berg!“ |
|
Am Berendries, nach 221 km, bemerke ich einen
Schatten hinter mir. Wie sich herausstellt ist es
ein Schweizer, der sich bei mir immer wieder für das
bisschen Windschatten bedankt. Er ist vollkommen
erschöpft. |
|
Nachmittags frischt der Wind unglaublich auf. Die
Abfahrten werden immer gefährlicher und der
Gegenwind auf den Geraden ist enorm. Irgendwie
schafft es der Schweizer auf den Geraden hinter mir
zu bleiben und am Berg fahre ich dann ein Tempo, das
er mithalten kann. Mir selber tut das auch gut. Wir
unterhalten uns ein bisschen und überwinden so
gemeinsam Berg um Berg. |
|
Kurz vor Acht erreichen wir nach 240 km gemeinsam
die letzte Kontrolle. Mein Tempo ist seit dem
Foreest unglaublich eingebrochen. Es sind noch über
20 km bis zum Ziel und die letzten beiden Berge
müssen wir bis 21.00 Uhr schaffen um im Zeitlimit zu
bleiben. |
|
Die Mur von Geraadsbergen und der Bosberg sind
schließlich diese beiden berühmten Berge (eigentlich
nur kleine Hügel). Ich habe mich wieder erholt und
finde langsam Spaß an den Pflastersteinen. Oben
stehen Zuschauer die uns zujubelten - unglaublich! |
|
Dann fliegen wir mit ordentlichem Tempo herunter
nach Ninove. Die letzten 10km hole ich noch einmal
alles aus mir heraus, um in der Zeit zu bleiben.
Auch der Schweizer fährt nun endlich im Wind und
bietet mir etwas Windschatten. Ein echter Sportler!
Offensichtlich klappt es jetzt mit der
Fettverbrennung besser und wir überholen vor dem
Ziel noch einige weitere Radfahrer. |
|
Um 20.50 Uhr fahren wir endlich über den Zielstrich.
Irgendwie unwirklich nach 260 km und 13.20 Stunden
noch einen Sprint hinzulegen. Aber das machen wir
tatsächlich genauso wie wir es beim sonntäglichen
ISB-Training gewohnt sind. |
|
Frank Schweinheim 5.04.2006 |
 |
 |