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Internetauftritt der Fa. ISB Schuhmacher AG
 01.04.2006, Event Nr.7 : Flandernrundfahrt (RTF) 2006

Die Flandernrundfahrt zählt zu den härtesten klassischen Eintagesrennen der Welt. Am Tag vor diesem Klassiker besteht für Cyclotouristen die Möglichkeit die gesamte Profistrecke im Rahmen einer RTF zu fahren. Nach dem langen Wintertraining, das zum größten Teil auf der Straße möglich war, habe ich mich zu diesem Abenteuer entschlossen.

Am Abend erst angereist ist die Nacht nur kurz. Um 5.00 Uhr morgens stehen wir auf um vom Zielort zum Start nach Brügge zu fahren. Gegen 7.30 Uhr kann ich, nach unendlich langem Stehen in einer Schlange von Radfahrern, von der Startrampe losfahren.

Gleich zu Beginn haben wir mit sehr starkem Regen zu kämpfen. Der heftige Seitenwind lässt die Gruppen förmlich auseinander fallen. Das Fahren an der Windkante ist sehr anstrengend und nervenaufreibend. Ein Unfall vor mir zwingt mich bei hohem Tempo von der Straße ins Feld. Zum Glück kein Materialschaden! Andere haben da weniger Glück.

Bei der ersten Kontrolle nach 46km hört der Regen endlich auf und die nassen Klamotten beginnen auf der Haut zu trocknen. Das harte Wintertraining macht sich jetzt bezahlt. Was ist schon Regen, wenn man Schnee und Hagel gewohnt ist!

Die zweite Kontrolle nach 105km erreiche ich nach 4:10h und bin erstaunlich fit. Wer bis hierhin schon müde ist hat nur noch sehr geringe Aussichten das Ziel zu erreichen. Die Flandernrundfahrt beginnt erst nach 110km mit den ersten Kopfsteinpflasterpassagen.

Nach 130km folgt die Paddestraat, ein ätzendes Pflastersteinstück. Spätestens hier merke ich, dass meine Weichteile nicht für diese Art von Steinen gemacht sind. Irgendwann zermürben dich diese Pflastersteine und wenn die Weichteile nicht schmerzen, dann garantiert die Handgelenke. Immer wieder sehe ich Trinkflaschen auf dem Pflaster liegen und kann das erst nicht einordnen. Als ich dann nach meiner Trinkflasche greife merke ich, dass auch meine Trinkflasche verschwunden ist. Einfach rausgerüttelt!

Nun folgen die ersten Steigungen. Nach 145km der Molenberg und nach 155km der Wolvenberg. Oben angelangt bin ich ziemlich fertig. Als ich einen Belgier frage wie der Berg hier heißt, den wir gerade hochgefahren sind, merke ich, dass der völlig die Orientierung verloren hat. Er spricht ständig vom Berg Nummer 5. (Das Kopfsteinpflaster zeigt wohl erste Auswirkungen).

Km 170: Es folgt eine Serie von 13 Steigungen bis zu 22%. Die meisten dieser Steigungen sind gepflastert und stellenweise nass. Am Koppenberg stürzen zwei Radfahrer vor mir im steilsten Stück und bleiben liegen. Ich muss absteigen und schieben. Das passiert mir später nicht mehr.

Nach 208km ereilt mich, was ich vorher schon befürchtet habe. Am Foreest, eigentlich einem sehr schönen Berg, bekomme ich massive Krämpfe. Ich muss aus dem Sattel und merke, dass es so besser weitergeht. Von nun an nehme ich jeden der Berge im Wiegetritt bis ich mich besser fühle. Ohne das Spinning-Training im Winter wäre das undenkbar gewesen. Man wechselt die Technik wenn die Beine im Sitzen krampfen. Allerdings brauche ich diesmal einen 27er Zahnkranz an diesen Steigungen und es sagt niemand: „Wir erhöhen den Widerstand. Es folgt ein Berg!“

Am Berendries, nach 221 km, bemerke ich einen Schatten hinter mir. Wie sich herausstellt ist es ein Schweizer, der sich bei mir immer wieder für das bisschen Windschatten bedankt. Er ist vollkommen erschöpft.

Nachmittags frischt der Wind unglaublich auf. Die Abfahrten werden immer gefährlicher und der Gegenwind auf den Geraden ist enorm. Irgendwie schafft es der Schweizer auf den Geraden hinter mir zu bleiben und am Berg fahre ich dann ein Tempo, das er mithalten kann. Mir selber tut das auch gut. Wir unterhalten uns ein bisschen und überwinden so gemeinsam Berg um Berg.

Kurz vor Acht erreichen wir nach 240 km gemeinsam die letzte Kontrolle. Mein Tempo ist seit dem Foreest unglaublich eingebrochen. Es sind noch über 20 km bis zum Ziel und die letzten beiden Berge müssen wir bis 21.00 Uhr schaffen um im Zeitlimit zu bleiben.

Die Mur von Geraadsbergen und der Bosberg sind schließlich diese beiden berühmten Berge (eigentlich nur kleine Hügel). Ich habe mich wieder erholt und finde langsam Spaß an den Pflastersteinen. Oben stehen Zuschauer die uns zujubelten - unglaublich!

Dann fliegen wir mit ordentlichem Tempo herunter nach Ninove. Die letzten 10km hole ich noch einmal alles aus mir heraus, um in der Zeit zu bleiben. Auch der Schweizer fährt nun endlich im Wind und bietet mir etwas Windschatten. Ein echter Sportler! Offensichtlich klappt es jetzt mit der Fettverbrennung besser und wir überholen vor dem Ziel noch einige weitere Radfahrer.

Um 20.50 Uhr fahren wir endlich über den Zielstrich. Irgendwie unwirklich nach 260 km und 13.20 Stunden noch einen Sprint hinzulegen. Aber das machen wir tatsächlich genauso wie wir es beim sonntäglichen ISB-Training gewohnt sind.

Frank Schweinheim 5.04.2006

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