|
Endlich war es soweit. Am 3.9.09 um 21 Uhr starteten
wir mit Elf Fahrern Richtung Französische Hochalpen.
Der Traum, den viele bis dahin nur geträumt haben,
sollte endlich Wirklichkeit werden: Einmal Alp
d´Huez bezwingen, seine Form testen und einmal eine
Königsetappe der Tour de France mit vier bekannten
Pässen nachfahren.
|
|
Die Vorbereitungen hatten wir bis dahin
professionell abgeschlossen: Das Training der
letzten Wochen wurde von uns genau für diesen Termin
abgestimmt, so dass wir uns alle in Hochform
befanden (einschließlich diverser Pfunde, die
diverse Fahrer noch rasch abgebaut hatten). Die
Rennräder waren top in Schuss und sogar Ersatzräder
standen für eventuelle Pannen zur Verfügung.
|
|
Nach entspannter Fahrt mit vielen Fahrerwechseln und
ohne Staus kamen wir am 4.9.09 um 7.30 Uhr früh im
Hotel Oberland in Bourg d‘Osains an. Das Flair, die
Lage und der Service des Hauses waren einmalig,
zumal das Hotel den echten Radsportcharme der
"Fünfziger" versprühte. Keine Frage das auch der
Chef des Hauses ein echter Radsportverrückter ist.
Nach einem guten Frühstück hatten wir das Glück
unsere Zimmer bereits um Neun Uhr beziehen zu
können, so dass wir uns alle noch eine Mütze Schlaf
gönnten. Da es an diesem Morgen wie aus Kübeln goss,
konnten wir eh nicht sofort auf die Räder. |
|
Als wir uns zur kurzen Teambesprechung um zwölf Uhr
trafen, schien bereits die Sonne und die Ungeduld,
jetzt endlich loszulegen, stieg von Minute zu
Minute. Um 13 Uhr gingen wir dann auf die Räder und
nach einer kurzen Aufwärmfahrt zum Start der Fahrt
nach Alp d´Huez. Wir stellten uns alle am
offiziellem Start auf und los ging es auf die ca. 14
km lange Auffahrt zum Ziel.
|
|
Hier legten insbesondere Dieter, Pit und Philipp wie
echte Profifahrer los. Der Rest des Teams versuchte
direkt von Anfang an seinen Rhythmus zu finden, aber
auch nicht den Kontakt zu dieser Spitze zu
verlieren. Man muss wissen, dass insbesondere die
ersten drei Kilometer sowie die letzten zwei
Kilometer bis zum Ortseingang die härtesten, weil
sie auch die steilsten sind.
|
|
In dieser Auffahrt ging jeder an seine Grenzen und
jeder für sich erreichte seinen persönlichen Sieg.
Keiner gab auf und die Zeiten die für die
Bergauffahrt erzielt wurden, konnten sich für ein
Amateurteam echt sehen lassen. Dieter Reich
erreichte als Erster das Ziel in sagenhaften 62
Minuten. Die Ihm folgenden Fahrer kamen annähernd im
Minutentakt ins Ziel, was auch hier eine hohe
Leistungsdichte beweist.
|
|
Nachdem wir oben in Alpe d'Huez das ein oder andere
wohlverdiente Bier, die obligatorischen Spaghetti
sowie den Cappuccino vertilgt hatten, ging es über
eine traumhafte Strecke auf dem Kamm des Berges
wieder hinunter ins Tal. Die bombastischen
Bergstraßen, teilweise recht eng zu fahren und mit
Abhängen von mehreren hundert Metern, machten uns
fast sprachlos vor Begeisterung.
|
|
Zum Abschluss des Tages hatten wir uns ein
Abschlussbier in der wunderschönen Fußgängerzone von
Bourg d´Osains verdient. Das Abendessen im Hotel war
wie es sich für Frankreich gehört "magnifique".
Trotzdem beschlossen wir den ersten Tag schon recht
früh, da der nächste Tag, mit 180 Kilometern und
ca. 4.500
Höhenmetern, bereits auf uns wartete.
|
|
Das Wetter am nächsten Tag war glücklicherweise
traumhaft, so dass wir voll guter Dinge auf die
Straße gingen. Das von Robby erwähnten 30 Kilometer
lange Flachstück bis zum ersten Anstieg entpuppte
sich nach 5 km bereits zur ersten großen
Herausforderung. Hier ging es bereits 40 km (!!!)
nur bergauf, dann ca. 5 km hinunter und dann nochmal
ca. 20 km wieder bergauf. Schnell wurde einem klar,
dass man dieses alles nur bewältigen kann, wenn man
neben der körperlichen Fitness auch die notwendige
mentale Stärke mitbringt (man darf sich z.B. nie und
niemals die Sinnfrage stellen "Warum tue ich das?").
Hier zeigte sich aber auch unsere hervorragende
Teamarbeit. Nie war ein Fahrer auf sich allein
gestellt und die stärkeren Bergfahrer halfen den
etwas schwächeren allein schon durch ihre
Anwesenheit bei den manchmal schwierigen Passagen.
Jeder war für jeden da. Besonders hervorzuheben ist
Günter Schoof, der aufgrund einer Verletzung am
Vortag am zweiten Tag nicht mehr mitfahren konnte
und sich spontan bereit erklärt hatte, die Betreuung
mittels Fahren des Betreuungsfahrzeuges für die
gesamten 180 Kilometer zu übernehmen. So war immer
gesichert, dass genügend Verpflegung und Material
zur Verfügung standen. Darüber hinaus gab er stets
moralische Unterstützung auf der Strecke und war
auch für die tollen Aufnahmen (Bilder & Video)
zuständig. Hier ist auch unser "Kameramann" Pit zu
erwähnen, der die ganze Tour während der Fahrt von
seinem Rennrad aus auch die tollsten Aufnahmen
gemacht hat. Der Franzose würde sagen "Bon Courage!"
|
|
Die Strecke wurde immer anspruchsvoller, zumal ein
heiß ersehntes Flachstück wegfiel, da ein Tunnel
gesperrt war. Hier mussten wir dann einen Umweg von
23 (!!!) Kilometer nehmen, der mit gut 11 Kilometer
aufwärts auch wieder echte Passqualitäten hatte.
Unsere Mittagspause (überlebensnotwendig zur
Kalorienaufnahme) wurde mal eben auf 20 Minuten
verkürzt, damit der Heimatort auch noch im Hellen
erreicht werden konnte. Denn es lagen ja noch, wie
nicht alle von uns wussten, der Col du Télégraphe
und der Col du Galibier (das "Dach der Tour"!) vor
uns.
|
|
Die Auffahrt zum Col du Télégraphe entwickelte sich
zu einem Bergrennen und jeder wollte hier nochmal
zeigen was er drauf hat. Dementsprechend schnell
wurde die Passhöhe auch erreicht. Als Sieger ging
hier Pit Sterzenbach hervor. Seine Freude verging
recht schnell als er erfuhr dass noch der Col du
Galibier auf unserem Weg liegen würde. Pit ging
tatsächlich davon aus, dass wir nach dem Col du
Télégraphe locker bergab nach Hause fahren würden
:-))).
|
|
Die Abfahrt zum Fuße des Col du Galibier jedenfalls
war eine reine Freude. Doch dann kam der Hammer!
- Für den ein oder anderen auch der "Mann mit dem
Hammer" - einigen ist der Begriff vielleicht vom
Marathon-Lauf bekannt. Der 17 km lange Anstieg fing
relativ harmlos an; Die 6 - 7 % fallen zunächst
optisch nicht auf. Man wunderte sich nur, dass man
relativ langsam unterwegs war. Dies lag daran, dass
die gesamte Gegend im Massiv so gigantisch war, dass
man sich als Rennradfahrer klitzeklein vorkam und
nur staunend mit offenem Mund die Eindrücke
verarbeitete.
|
|
Die Fahrer erreichten nach und nach den Gipfel,
wobei hier jeder seine persönliche Grenzerfahrung
machen durfte. Bei einigen ließen die Kräfte nun
rapide nach, manche bekamen den berühmten Hungerast
und manche schlichtweg Krämpfe in einem oder gar
beiden Beinen. Manche haben es dann sogar nur,
lauthals Marschlieder singend, bis zur Bergankunft
geschafft. Umso erstaunlicher war es, dass keiner
aufgegeben hatte oder gar das Begleitfahrzeug in
Anspruch nehmen musste. |
|
ALLE ERREICHTEN DEN GIPFEL !! |
|
Und hier war es sehr kalt. Drei Grad und der Wind
pfiff über die Kuppe. Also nichts wie ´runter in die
Abfahrt stürzen. Die Hände wurden klamm und die
Unterarme wurden immer kraftloser. Aufmerksamkeit
war hier oberstes Gebot, denn ein kleiner Brems-
oder Lenkfehler hätte schlimm enden können. Außerdem
musste man des Öfteren Kühe und Schafe umkurven,
welche unvermutet dieselbe Straße benutzten. Jeden
Meter abwärts wurde es nun endlich wieder wärmer, so
dass auch allmählich unsere Lebensgeister
zurückkehrten. Die Bergabfahrt war sensationelle 40
km (!!!) lang und wer wollte, brauchte fast keinen
einzigen Tritt mehr zu tun. So war dies dann der
verdiente Lohn eines langen Tages. Philipp Winker
schwor übrigens später, er hätte noch nie im Leben
so sehr gefroren wie auf dieser Abfahrt ....
|
|
Im Hotel angekommen waren wir alle dementsprechend
erschöpft aber auch sehr glücklich. Wir trauten es
uns selbst nicht zu glauben: Wir haben eine der
härtesten Alpenetappen bezwungen und das ohne
Aufgaben, Verletzungen oder Stürze !!!
|
|
Das war wohl der größte Erfolg. Selbst einige
Fahrer, die schon viele harte Events mitgefahren
sind, sprachen hier von einem einmaligen Erlebnis
und das härteste, was sie bisher mitgemacht hatten!
|
|
Für das nächste Jahr könnte der Mont Ventoux in
Angriff genommen werden ?!!?
|
|
Sportliche Grüße
Manu
|
|
|
|
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unsere
Sponsoren ISB Schumacher und Autohaus Ulmer, die uns
einen Mannschaftsbus sowie einen Transporter für die
Räder zur Verfügung gestellt hatten.
|
|
|
 |
|
|