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Die Events |
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Von Pit hatte ich gehört, dass es
letztes Jahr in Wiesbaden ganz schön chaotisch
zugegangen sein soll. Die meisten ISBler waren im
Urlaub und sonst hatte auch keiner Interesse mit
zufahren. Trotzdem habe ich mich für das Rennen über
95km angemeldet weil es ganz einfach
zur Cycling Tour gehört und Ranglistenpunkte
winkten. |
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Schon beim Einfahren fallen die
bekannten Teams auf, die teilweise mit einem Dutzend
Fahrer am Start sind. So ergibt das Starterfeld auch
heute wieder eine typische Dreiklassengesellschaft
von Breitensportlern, die Ankommen wollen über
ambitionierte Vielfahrer bis zu den wirklich guten
Fahrern, die das Rennen unter sich ausmachen.
Trotzdem weiß man nie wer wirklich gewinnen wird
weil die Klassementfahrer immer wieder durch
sporadisch teilnehmende Amateure herausgefordert und
auch mal besiegt werden. Das ist besonders bei den
Bergrennen so. |
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Als ambitionierter Vielfahrer ohne
Amateur - Erfahrung hat man das Ziel möglichst lange
mit der Spitze zu fahren und dann, abgeschlagen aber
in einer starken Gruppe, einen Platz unter den
ersten 100
zu erreichen. Jeder Platz weiter vorne ist
großartig. Bei Platz 30 ungefähr „ist dann Schluss mit Lustig“. Wer hier
hereinfährt ist wirklich stark, exzellent
ausgerüstet und kann vor allem richtig gut
Radfahren. |
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Dummerweise komme ich mal
wieder etwas zu spät zum Start so dass ich nicht
ganz vorne anfahren kann. Neben mir stehen diesmal
aber auch andere Bekannte sehr weit hinten. UGS und
Strassacker - sehr stark. Ich sehe Blue Essentials
und Agapedia, viele von denen fahren ohne Probleme
nach vorne. Andere, auch Frauen, stellen sich erst
gar nicht an sondern fahren vor die Startlinie, was
beim Fliegenden Start niemand kontrolliert. Für mich
wird es hier (nur knapp 30m
hinter der Startlinie!) schon schwer den Anschluss
an die Spitze nicht direkt nach dem Start zu
verlieren und unter die ersten
100
zu kommen.
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Natürlich denken viele so wie ich.
Sie stellen sich ganz vorne auf, werden dann am
ersten Berg versägt und nach hinten durchgereicht.
Schlimmer ist es noch mit denen, die sich vorne
hinstellen und Angst haben. An der ersten Abfahrt
oder Kurve wird es dann richtig schlecht weil sie
links und rechts überholt werden müssen. Durch den
neutralisierten Start und das langsam ansteigende
Streckenprofil geht aber diesmal alles ohne Sturz ab
– perfekte Streckenplanung in Wiesbaden.
Wir fahren direkt vom Start weg leicht ansteigend
über 7km bergauf. Schon in der Hälfte des Anstiegs
überholen wir Fahrer, die sich völlig verzockt haben
und hoffnungslos abreißen lassen müssen (vielleicht
war es gar kein Nachteil weiter hinten zu starten).
Die Fahrer vor mir machen unglaublich Druck so dass
ich selber kaum folgen kann. Manche treten dermaßen
rein, dass man gar nicht einschätzen kann ob sie
sich auch verzocken und gleich umfallen werden oder
ob man da unbedingt dabei sein muss wenn Oben
richtig Gas gegeben wird. Oben (nach 7km leicht
ansteigendem Gelände, das sich immer anstrengender
aufsteilt) finde ich mich nur in einer kleinen
Gruppe wieder und denke: „Nicht schon wieder so eine
einsame Fahrt mit 25
Minuten Rückstand auf die Spitze“. Die Spitze ist
überhaupt nicht mehr zu sehen hinter mir ist aber
auch ein riesen Loch aufgerissen.
Was jetzt kommt ist allerdings absolut begeisternd.
Diesmal sind ein paar Fahrer dabei, die einen
belgischen Kreisel so fahren können das wir schnell
auf eine größere Gruppe auffahren. Wir fahren
praktisch durch diese Gruppe hindurch an die Spitze
und es folgt noch eine lang gezogene wellige Abfahrt
über fast 8 km, die wir mit einem
50er Schnitt zurück legen. Unten
haben wir das Ende der Spitzengruppe wieder
erreicht. Wir klatschen uns in die Hände, wohl
wissend, dass nur wenige aus unserer Gruppe sich mit
uns angestrengt haben den Anschluss zu schaffen. Und
die vier verbleibenden Runden können lang werden.
Aber ich habe durch die gute Abwechslung nur wenig
und nicht anstrengend geführt, das sollte schon
klappen.
Am Ende der zweiten Runde
sehen wir die Spitze am Ende der Abfahrt noch einmal
kurz, dann verschwinden sie „für immer“.
Nun folgt ein zermürbendes hoch
powern an der 7 km langen Steigung. Windschatten
fahren bergauf. Immer wieder nach vorne schreien,
dass die überrundeten Fahrer rechst fahren sollen,
damit man nicht in sie hinein fährt. Es ist, glaube
ich, ganz schön unangenehm wenn so eine Horde
angefahren kommt und schreiend am Berg an einem
vorbeifliegt |
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Runde 3
Die Abfahrt wird wieder sehr schnell. Es sieht immer
so aus, dass ich mit letzter Kraft oben über die
Kuppe am Ende einer Gruppe hängen bleibe und mich
dann so langsam bei der Abfahrt bis vorne
durcharbeiten und erholen kann. Viele Fahrer, die am
Berg sehr stark sind und mich da stehen lassen,
werden nun zum wiederholten Mal von der Meute
eingeholt. Das zermürbt wohl ganz schön. Wieder geht
es nach der Abfahrt in die Kurve vor dem Ziel.
Diesmal wird es hier gefährlich weil wir genau in
eine Gruppe Überrundeter hinein fahren. Ich fahre
jetzt wie durch eine Wand von Fahrern, die viel
langsamer sind und in der Kurve noch bremsen.
Außerdem fahren sie völlig andere Radien und halten
ihre Spur nicht. Wir bremsen natürlich soviel wie
nötig und es klappt irgendwie vorbeizukommen. |
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Alles geht gut - Runde 4
Die starken Bergfahrer der ersten Runden werden
langsamer. Dafür kommen andere von hinten und
bestimmen nun das Tempo bergauf. Annika Grüber und
Elin Amundsen liefern sich wieder ihr einsames Duell
um den Sieg der Frauenwertung und einige der
Mittelklassemänner versuchen unbeholfen dabei
mitzuhalten. In Wiesbaden sind die Steigungen nicht
so extrem wie in Stuttgart oder im Schwarzwald
(Triberg), deshalb ist Annika bis jetzt auch nicht
entscheidend weggekommen. Teamhelfer scheint es
diesmal auch nicht zu geben. Zumindest sind in
dieser Phase keine mehr zu erkennen. Dann die
Abfahrt. Hier dreht sich wieder das Blatt, die
leichten und die unerfahrenen Bergfahrer fallen bis
auf wenige zurück. Essen, Windschatten fahren, als
erster in die Kurve schießen, alles klappt. |
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Letzte Runde.
Alles wird schneller, das Überrunden der Fahrer
bergauf ist jetzt wirklich nicht so einfach. Sie
fahren oft nebeneinander und erwarten keine schnelle
große Gruppe hinter sich. Den Berg fahre ich wieder
komplett mit dem 50er
Blatt doch diesmal kurze Zeit auf
27
hinten. Das knarrt ganz fürchterlich (peinlich) aber
wenn ich runter schallte fliege ich aus der Gruppe.
Lieber ein neues Ritzelpaket nachher als jetzt hier
den Anschluss verlieren. Es klappt. Oben gratuliere
ich Annika zum Sieg weil sie unglaublich stark den
Berg hochgefahren ist. Für mich war das gut weil ich
immer so 2-10
Positionen hinter ihr war und dadurch gesehen habe
wie schnell ich unbedingt sein muss um die gute
Gruppe zu halten. Das waren dann
15
Minuten bergauf mit Herzfrequenz
182. Wäre ich mit den schnellsten
der Gruppe in den Anfang des Berges gefahren hätte
ich wohl überdreht.
Elin hat den Anschluss diesmal verloren und wird
wohl wieder hervorragende Zweite. Einige bärenstarke
Fahrer der ersten Runden hängen jetzt auch ganz
schön ab und ich weiß, dass ich nach der Abfahrt mit
meiner Leistung eine gute Platzierung im Männer
Rennen einfahren werde. Noch einmal die Abfahrt.
Letzte Kurve vorne an Position drei einfahren und
dann abwarten wer zuerst den Sprint eröffnet und
seine Kräfte im Wind verpulvert. Sie kommen auch von
hinten auf und es sind noch mehr als
1000m. Jetzt sieht man wieder wer
sich die ganze Zeit zurückgehalten hat. Durch die
scharfe Kurve vor dem Teufelslappen ist die Gruppe
aber sehr lang gezogen worden und nicht jeder der
Sprinter kann noch nach vorne vorfahren. Dann sehen
wir ein anderes Problem schon von weitem. Wieder
eine größere Gruppe von überrundeten Fahrern vor uns
und ich fahre rechts. Daran hatte ich nicht gedacht.
Es wird geschrien. Ich komme da aber nicht mehr
weg. Kann nur mit Mühe an Ihnen vorbeiziehen –
Millimeterarbeit- aber zum Sprint kommt es für mich
nicht mehr richtig. Links sind einige durchgerutscht
während wir rechts bremsen mussten. Schade, aber die 10 Plätze machen es auch nicht aus.
Die Strecke hat es gut mit mir gemeint. Platz
51 ist wie ein Sieg auch wenn’s
realistisch betrachtet wohl sehr weit weg ist von
dem was vorne wohl abgegangen sein mag.
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Zur Orga und zum Rennen
Irgendwie ist es dieses Jahr wohl anders gewesen als
es vom letzten Jahr in Wiesbaden berichtet wurde.
Die Organisation, die Streckenabsperrung und die
Straßenverhältnisse waren wirklich gut, ich habe
keinen Sturz gesehen. Es waren ca.
800
Fahrer am Start und trotzdem war das kein Problem.
Eine kleine Stelle mit einer Stange hatte man nicht
richtig abgesperrt, was ein Polizist aber bis zur
dritten Runde erkannte und behob. Gefährliche
Stellen gibt es auf dem Kurs z.B. im Vergleich zu
Frankfurt fasst gar nicht. Das Profil ist auch für
schwerere Fahrer mit Bergqualitäten geeignet weil
man den Berg „Kette rechts “ schaffen und in der
Abfahrt wieder etwas auf die wirklich Guten
auffahren kann. So hat man am Schluss auch mal den
Eindruck nicht allzu weit von der Spitze weg und in
einem „echt harten Rennen“ nicht ein „Jedermann“
gewesen zu sein. Zumindest im Kopf ist das so wenn
man sich anstrengt und eine ausgeprägte Phantasie
besitzt. |
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Frank Schweinheim |
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Unser Mann in
Wiesbaden - 4x Frank Schweinheim in Action ! |
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