Die Startseite Das Team Die Fahrer Die Events Die Strecken Das Gästebuch Die Presse
Internetauftritt der Fa. ISB Schuhmacher

Die Events

Internetauftritt der Fa. ISB Schuhmacher AG
30.06.2007, Event Nr.17 : "Jedermannrennen im Rahmen der Deutschen Meisterschaft in Wiesbaden"

Von Pit hatte ich gehört, dass es letztes Jahr in Wiesbaden ganz schön chaotisch zugegangen sein soll. Die meisten ISBler waren im Urlaub und sonst hatte auch keiner Interesse mit zufahren. Trotzdem habe ich mich für das Rennen über 95km angemeldet weil es ganz einfach zur Cycling Tour gehört und Ranglistenpunkte winkten.

Schon beim Einfahren fallen die bekannten Teams auf, die teilweise mit einem Dutzend Fahrer am Start sind. So ergibt das Starterfeld auch heute wieder eine typische Dreiklassengesellschaft von Breitensportlern, die Ankommen wollen über ambitionierte Vielfahrer bis zu den wirklich guten Fahrern, die das Rennen unter sich ausmachen. Trotzdem weiß man nie wer wirklich gewinnen wird weil die Klassementfahrer immer wieder durch sporadisch teilnehmende Amateure herausgefordert und auch mal besiegt werden. Das ist besonders bei den Bergrennen so.

Als ambitionierter Vielfahrer ohne Amateur - Erfahrung hat man das Ziel möglichst lange mit der Spitze zu fahren und dann, abgeschlagen aber in einer starken Gruppe, einen Platz unter den ersten 100 zu erreichen. Jeder Platz weiter vorne ist großartig. Bei Platz 30 ungefähr „ist dann Schluss mit Lustig“. Wer hier hereinfährt ist wirklich stark, exzellent ausgerüstet und kann vor allem richtig gut Radfahren.

Dummerweise komme ich mal wieder etwas zu spät zum Start so dass ich nicht ganz vorne anfahren kann. Neben mir stehen diesmal aber auch andere Bekannte sehr weit hinten. UGS und Strassacker - sehr stark. Ich sehe Blue Essentials und Agapedia, viele von denen fahren ohne Probleme nach vorne. Andere,  auch Frauen, stellen sich erst gar nicht an sondern fahren vor die Startlinie, was beim Fliegenden Start niemand kontrolliert. Für mich wird es hier (nur knapp 30m hinter der Startlinie!) schon schwer den Anschluss an die Spitze nicht direkt nach dem Start zu verlieren und unter die ersten 100 zu kommen.

Natürlich denken viele so wie ich. Sie stellen sich ganz vorne auf, werden dann am ersten Berg versägt und nach hinten durchgereicht. Schlimmer ist es noch mit denen, die sich vorne hinstellen und Angst haben. An der ersten Abfahrt oder Kurve wird es dann richtig schlecht weil sie links und rechts überholt werden müssen. Durch den neutralisierten Start und das langsam ansteigende Streckenprofil geht aber diesmal alles ohne Sturz ab – perfekte Streckenplanung in Wiesbaden.
Wir fahren direkt vom Start weg leicht ansteigend über 7km bergauf. Schon in der Hälfte des Anstiegs überholen wir Fahrer, die sich völlig verzockt haben und hoffnungslos abreißen lassen müssen (vielleicht war es gar kein Nachteil weiter hinten zu starten). Die Fahrer vor mir machen unglaublich Druck so dass ich selber kaum folgen kann. Manche treten dermaßen rein, dass man gar nicht einschätzen kann ob sie sich auch verzocken und gleich umfallen werden oder ob man da unbedingt dabei sein muss wenn Oben richtig Gas gegeben wird. Oben (nach 7km leicht ansteigendem Gelände, das sich immer anstrengender aufsteilt) finde ich mich nur in einer kleinen Gruppe wieder und denke: „Nicht schon wieder so eine einsame Fahrt mit 25 Minuten Rückstand auf die Spitze“. Die Spitze ist überhaupt nicht mehr zu sehen hinter mir ist aber auch ein riesen Loch aufgerissen.
Was jetzt kommt ist allerdings absolut begeisternd. Diesmal sind ein paar Fahrer dabei, die einen belgischen Kreisel so fahren können das wir schnell auf eine größere Gruppe auffahren. Wir fahren praktisch durch diese Gruppe hindurch an die Spitze und es folgt noch eine lang gezogene wellige Abfahrt über fast 8 km, die wir mit einem 50er Schnitt zurück legen. Unten haben wir das Ende der Spitzengruppe wieder erreicht. Wir klatschen uns in die Hände, wohl wissend, dass nur wenige aus unserer Gruppe sich mit uns angestrengt haben den Anschluss zu schaffen. Und die vier verbleibenden Runden können lang werden. Aber ich habe durch die gute Abwechslung nur wenig und nicht anstrengend geführt, das sollte schon klappen.
Am Ende der zweiten Runde sehen wir die Spitze am Ende der Abfahrt noch einmal kurz, dann verschwinden sie „für immer“.
Nun folgt ein zermürbendes hoch powern an der 7 km langen Steigung. Windschatten fahren bergauf. Immer wieder nach vorne schreien, dass die überrundeten Fahrer rechst fahren sollen, damit man nicht in sie hinein fährt. Es ist, glaube ich, ganz schön unangenehm wenn so eine Horde angefahren kommt und schreiend am Berg an einem vorbeifliegt

Runde 3
Die Abfahrt wird wieder sehr schnell. Es sieht immer so aus, dass ich mit letzter Kraft oben über die Kuppe am Ende einer Gruppe hängen bleibe und mich dann so langsam bei der Abfahrt bis vorne durcharbeiten und erholen kann. Viele Fahrer, die am Berg sehr stark sind und mich da stehen lassen, werden nun zum wiederholten Mal von der Meute eingeholt. Das zermürbt wohl ganz schön. Wieder geht es nach der Abfahrt in die Kurve vor dem Ziel. Diesmal wird es hier gefährlich weil wir genau in eine Gruppe Überrundeter hinein fahren. Ich fahre jetzt wie durch eine Wand von Fahrern, die viel langsamer sind und in der Kurve noch bremsen. Außerdem fahren sie völlig andere Radien und halten ihre Spur nicht. Wir bremsen natürlich soviel wie nötig und es klappt irgendwie vorbeizukommen.

Alles geht gut - Runde 4
Die starken Bergfahrer der ersten Runden werden langsamer. Dafür kommen andere von hinten und bestimmen nun das Tempo bergauf. Annika Grüber und Elin Amundsen liefern sich wieder ihr einsames Duell um den Sieg der Frauenwertung und einige der Mittelklassemänner versuchen unbeholfen dabei mitzuhalten. In Wiesbaden sind die Steigungen nicht so extrem wie in Stuttgart oder im Schwarzwald (Triberg), deshalb ist Annika bis jetzt auch nicht entscheidend weggekommen. Teamhelfer scheint es diesmal auch nicht zu geben. Zumindest sind in dieser Phase keine mehr zu erkennen. Dann die Abfahrt. Hier dreht sich wieder das Blatt, die leichten und die unerfahrenen Bergfahrer fallen bis auf wenige zurück. Essen, Windschatten fahren, als erster in die Kurve schießen, alles klappt.

Letzte Runde.
Alles wird schneller, das Überrunden der Fahrer bergauf ist jetzt wirklich nicht so einfach. Sie fahren oft nebeneinander und erwarten keine schnelle große Gruppe hinter sich. Den Berg fahre ich wieder komplett mit dem 50er Blatt doch diesmal kurze Zeit auf 27 hinten. Das knarrt ganz fürchterlich (peinlich) aber wenn ich runter schallte fliege ich aus der Gruppe. Lieber ein neues Ritzelpaket nachher als jetzt hier den Anschluss verlieren. Es klappt. Oben gratuliere ich Annika zum Sieg weil sie unglaublich stark den Berg hochgefahren ist. Für mich war das gut weil ich immer so 2-10 Positionen hinter ihr war und dadurch gesehen habe wie schnell ich unbedingt sein muss um die gute Gruppe zu halten. Das waren dann 15 Minuten bergauf mit Herzfrequenz 182. Wäre ich mit den schnellsten der Gruppe in den Anfang des Berges gefahren hätte ich wohl überdreht.
Elin hat den Anschluss diesmal verloren und wird wohl wieder hervorragende Zweite. Einige bärenstarke Fahrer der ersten Runden hängen jetzt auch ganz schön ab und ich weiß, dass ich nach der Abfahrt mit meiner Leistung eine gute Platzierung im Männer Rennen einfahren werde. Noch einmal die Abfahrt. Letzte Kurve vorne an Position drei einfahren und dann abwarten wer zuerst den Sprint eröffnet und seine Kräfte im Wind verpulvert. Sie kommen auch von hinten auf und es sind noch mehr als 1000m. Jetzt sieht man wieder wer sich die ganze Zeit zurückgehalten hat. Durch die scharfe Kurve vor dem Teufelslappen ist die Gruppe aber sehr lang gezogen worden und nicht jeder der Sprinter kann noch nach vorne vorfahren. Dann sehen wir ein anderes Problem schon von weitem. Wieder eine größere Gruppe von überrundeten Fahrern vor uns und ich fahre rechts. Daran hatte ich nicht gedacht. Es wird geschrien. Ich komme da aber nicht mehr weg. Kann nur mit Mühe an Ihnen vorbeiziehen – Millimeterarbeit- aber zum Sprint kommt es für mich nicht mehr richtig. Links sind einige durchgerutscht während wir rechts bremsen mussten. Schade, aber die 10 Plätze machen es auch nicht aus.
Die Strecke hat es gut mit mir gemeint. Platz 51 ist wie ein Sieg auch wenn’s realistisch betrachtet wohl sehr weit weg ist von dem was vorne wohl abgegangen sein mag.

Zur Orga und zum Rennen
Irgendwie ist es dieses Jahr wohl anders gewesen als es vom letzten Jahr in Wiesbaden berichtet wurde. Die Organisation, die Streckenabsperrung und die Straßenverhältnisse waren wirklich gut, ich habe keinen Sturz gesehen. Es waren ca. 800 Fahrer am Start und trotzdem war das kein Problem. Eine kleine Stelle mit einer Stange hatte man nicht richtig abgesperrt, was ein Polizist aber bis zur dritten Runde erkannte und behob. Gefährliche Stellen gibt es auf dem Kurs z.B. im Vergleich zu Frankfurt fasst gar nicht. Das Profil ist auch für schwerere Fahrer mit Bergqualitäten geeignet weil man den Berg „Kette rechts “ schaffen und in der Abfahrt wieder etwas auf die wirklich Guten auffahren kann. So hat man am Schluss auch mal den Eindruck nicht allzu weit von der Spitze weg und in einem „echt harten Rennen“ nicht ein „Jedermann“ gewesen zu sein. Zumindest im Kopf ist das so wenn man sich anstrengt und eine ausgeprägte Phantasie besitzt.

Frank Schweinheim

Unser Mann in Wiesbaden - 4x Frank Schweinheim in Action !